Wie viel Stoff brauchst du für einen Tellerrock?

Der Tellerrock ist eines der wenigen Kleidungsstücke, bei denen du den Stoffbedarf selbst ausrechnen kannst: ein Loch für die Taille, ein großer Kreis Stoff, fertig. Genau in dieser Geometrie steckt aber eine Falle, denn ein paar Zentimeter mehr Rocklänge können den Bedarf verdreifachen.

Kurzantwort (ganzer Tellerrock, Taille ca. 72 cm, Stoffbreite 140 cm): Knielang (45 cm) braucht etwa 1,2 m. Bei 55 cm Rocklänge bist du bei 1,4 m, und der Kreis passt nur noch knapp in die Stoffbreite. Ab etwa 60 cm Länge passt er gar nicht mehr in einem Stück: Du schneidest zwei Halbkreise zu, und der Bedarf springt auf rund 3 m. Diesen Sprung verschweigt fast jede Tabelle.

Die Formel

Ein ganzer Tellerrock ist ein Ring. Der innere Radius kommt aus deinem Taillenumfang, der äußere addiert die Rocklänge:

Taillenradius  r = Taillenumfang / (2 × π)
Außenradius    R = r + Rocklänge + Saumzugabe

Bei 72 cm Taillenumfang ist r etwa 11,5 cm. Mit 45 cm Rocklänge und 2 cm Saum liegt R bei rund 58,5 cm. Als ein Stück zugeschnitten braucht der Kreis ein Stoffquadrat mit 2R Kantenlänge. Du kaufst also 2R an Länge, solange 2R in die Stoffbreite passt. Bund und Nahtzugaben kommen obendrauf; die legt dein Schnittmuster fest, nicht die Geometrie.

Die Tabelle, und die Klippe darin

Gleiche Taille (72 cm), 2 cm Saum, Stoffbreite 140 cm. Achte auf den Schritt zwischen 55 und 60 cm:

RocklängeKreisdurchmesser (2R)Passt in 140 cm?Stoffbedarf
45 cm (knielang)117 cmJa, ein Teilca. 1,2 m
50 cm127 cmJa, ein Teilca. 1,3 m
55 cm137 cmGerade nochca. 1,4 m
60 cm147 cmNein: zwei Halbkreiseca. 3,0 m
70 cm (Midi)167 cmNein: zwei Halbkreiseca. 3,3 m

Die Zeile mit 55 cm verdient eine Warnung: 137 cm Kreis auf 140 cm Stoff lassen 3 cm Luft, und zwar vor dem Einlaufen und vor dem Wegschneiden der Webkanten. Auf 150 cm breitem Stoff ist derselbe Rock entspannt. Deshalb berichten zwei Leute mit „demselben Rock" völlig verschiedene Stoffmengen: Sie hatten verschiedene Stoffbreiten.

Jenseits der Klippe schneidest du zwei Halbkreise zu und nähst Seitennähte (oder eine hintere Mittelnaht plus eine Seite). Jeder Halbkreis ist ein Teil von 2R Breite und R Höhe. Sobald 2R die Stoffbreite übersteigt, müssen die Teile längs liegen, eins hinter dem anderen, und du zahlst rund 2 × 2R an Stoff. Vier Viertelbahnen statt zwei Halbkreisen holen davon etwas zurück, weil sich Viertelkreise gedreht ineinanderschieben lassen. Ob sie gedreht werden dürfen, entscheidet allerdings dein Stoff, und damit sind wir beim nächsten Punkt.

Einbahn-Stoffe ändern die Rechnung

Samt, Cord, Pannesamt und jeder Druck mit erkennbarem Oben und Unten sind Einbahn-Stoffe: Alle Teile müssen in dieselbe Richtung zeigen. Damit fallen genau die Drehtricks weg, die bei langen Röcken Stoff sparen. Ein Viertelbahnen-Layout, das sich auf 2,4 m quetschen lässt, kann 3 m brauchen, sobald alle Teile nach oben zeigen müssen. Wenn du einen Richtungsstoff kaufst, rechne den Einbahn-Fall, nicht den besten Fall.

Der Halbkreisrock als Ausweg

Ein halber Tellerrock nimmt dieselbe Taille, aber nur den halben Schwung. Der Taillenradius verdoppelt sich (r = Taille / π), der Außenkreis schrumpft, und die Teile packen deutlich besser: Ein Halbkreisrock mit 60 cm Länge passt in rund 1,7 m Stoff von 140 cm Breite statt in 3 m. Wenn dir die Klippe gerade das Stoffbudget gesprengt hat, ist das der klassische Ausweg.

Vom Näherungswert zur exakten Zahl

Alles oben geht von einem perfekten Kreis und 72 cm Taille aus. Dein Schnittmuster ist das nicht: Deine Taille ist anders, dein Schnitt enthält Nahtzugaben, vielleicht einen Bund, vielleicht Taschen, und dein Stoff hat seine eigene Breite. Der ehrliche Weg zur exakten Zahl ist, die echten Teile auf die echte Breite zu legen und zu messen. Das geht auf dem Fußboden mit Klebeband, oder du lässt Software rechnen.

Dabei gehört Ehrlichkeit auch in die andere Richtung: PatternNest liest SVG und DXF (aus Seamly2D, Valentina oder FreeSewing exportiert; ein Papier- oder PDF-Schnitt lässt sich in Inkscape nachzeichnen), aber kein PDF-Schnittmuster direkt. Teile „im Stoffbruch" bildet v1 nicht ab; der Workaround ist, das Teil an der Bruchkante zu spiegeln und als aufgeklapptes ganzes Teil auszulegen. Und Nahtzugabe wird weder ergänzt noch entfernt: Dein Schnitt wird exakt so verwendet, wie er gezeichnet ist.

Rechne es mit deinem eigenen Schnitt: Zieh deine Schnittteile (SVG oder DXF) in PatternNest, stell deine Stoffbreite ein, markiere den Stoff bei Bedarf als Einbahn, und lies die exakte Länge in Metern ab. Ein Tellerrock hat wenige Teile, der Gratis-Umfang deckt ihn komplett ab: Bis 10 Teile sind Nesting, Stoffbedarf und der druckbare Zuschneideplan (PDF/SVG) gratis.

Mit deinem Schnittmuster ausprobieren, gratis

Läuft offline im Browser. Dein Schnittmuster verlässt nie deinen Rechner.