Wie viel Stoff brauchst du für einen Rock?
Für „einen geraden Rock“ nennen veröffentlichte Tabellen zwischen 1,15 m und 1,8 m Stoff, fast das Doppelte voneinander entfernt. Das liegt nicht an Schlamperei. Hinter jedem Rock steckt eine Entweder-oder-Rechnung: Entweder deine Rockbahnen passen nebeneinander auf die Stoffbreite, oder sie brauchen die doppelte Länge.
Kurzantwort (Stoffbreite 140 cm): Die veröffentlichte Faustregel lautet: enger Rock einmal die Rocklänge plus Saum und Bund, ab Größe 44/46 das Doppelte; weiter Rock zweimal die Rocklänge plus Saum und Bund. Die Stoffverbrauch-Tabelle von Trendschnitt nennt für den engen Rock 0,9 m (Gr. 34 bis 42) und 1,7 m (Gr. 44 bis 52). Tellerröcke rechnen komplett anders; dafür gibt es einen eigenen Guide.
Warum „einmal die Rocklänge“ stimmt, bis es nicht mehr stimmt
Ein enger Rock besteht im Kern aus einer Vorderbahn und einer Rückenbahn, jede etwa einen halben Hüftumfang plus Nahtzugaben breit. Solange beide Bahnen nebeneinander auf die Stoffbreite passen, grob gesagt: solange Hüftumfang plus Zugaben unter der Stoffbreite bleiben, kaufst du einmal die Rocklänge plus Saum und Bund. Genau das steckt hinter der Faustregel.
Ab etwa Größe 44/46 geht diese Rechnung bei 140 cm nicht mehr auf. Die Bahnen rutschen hintereinander statt nebeneinander, und der Bedarf verdoppelt sich. Das ist keine sanfte Kurve, sondern eine Klippe: Zwischen „passt nebeneinander“ und „passt nicht mehr“ liegen wenige Zentimeter Hüftumfang oder Stoffbreite, aber fast ein ganzer Meter Stoff. Die Trendschnitt-Tabelle zeigt den Sprung deutlich: 0,9 m für die Größen 34 bis 42, dann 1,7 m für 44 bis 52. Dazwischen gibt es nichts.
Veröffentlichte Werte im Vergleich
Damit du die Faustregel einordnen kannst, hier die Angaben aus verbreiteten Quellen. Achte auf die Stoffbreiten, sie erklären einen großen Teil der Unterschiede:
| Quelle | Rocktyp | Stoffbreite | Angabe |
|---|---|---|---|
| Trendschnitt (Gr. 34-42 / 44-52) | enger Rock | 140 cm | 0,9 m / 1,7 m |
| SewGuide | gerader Rock | 150 cm | ca. 1,15 m |
| SewingIsCool | Bleistiftrock | 107 cm | ca. 0,9 m |
| SewingIsCool | gerader Rock | 107 cm | ca. 1,8 m |
| SewingIsCool | A-Linien-Rock | 107 cm | ca. 2,1 m |
| SewingIsCool | gerafft oder plissiert | 107 cm | ca. 2,7 m |
| SewingIsCool | weiter Wickelrock | 107 cm | 4,1 bis 4,6 m |
Der Vergleich lohnt sich: Für „einen geraden Rock“ stehen hier 1,15 m und 1,8 m nebeneinander, und beide Angaben sind ernst gemeint. Sie setzen nur unterschiedliche Stoffbreiten, Größen und Schnittführungen voraus. Eine fremde Tabelle ist deshalb nie deine Antwort, sondern deine Startschätzung. Trendschnitt gibt für schmalere Stoffe zusätzlich an: Bei 110 cm Breite brauchst du etwa die Hälfte mehr, bei 90 cm fast das Doppelte.
Weite Röcke: die Weite ist deine Entscheidung
Ein gerafter Rock ist meist ein Rechteck oder mehrere davon. Wie viel Weite in den Bund gerafft wird, entscheidest du selbst; üblich ist das Zwei- bis Dreifache des Taillenumfangs. Damit steht auch der Verbrauch: Anzahl der Bahnen mal (Rocklänge plus Saum plus Zugabe am Bund). Keine Tabelle kann diese Entscheidung für dich treffen, und genau deshalb streuen die veröffentlichten Angaben für „weiten Rock“ so stark. Die Faustregel „zweimal Rocklänge plus Saum und Bund“ entspricht schlicht zwei vollen Bahnen bei 140er-Stoff.
Tellerrock: eigene Formel, eigene Klippe
Der Tellerrock fällt aus allen Faustregeln heraus, weil er keine Bahnen hat, sondern einen Ring. Dort entscheidet der Außendurchmesser des Kreises darüber, ob der Rock in einem Stück aus der Stoffbreite kommt oder als zwei Halbkreise hintereinander liegen muss; der Bedarf springt dann von rund 1,4 m auf rund 3 m. Formel, Tabelle und die Breiten-Klippe rechnet der Tellerrock-Guide im Detail vor.
Von der Faustregel zur exakten Zahl
Die verlässliche manuelle Methode beschreibt unter anderem der Nähblog Cashmerette: Stoffbreite mit Klebeband auf dem Boden markieren, alle Schnittteile in Originalgröße auslegen, benötigte Länge messen, rund 10 Prozent Reserve fürs Einlaufen zugeben und pro Webkante gut 2 cm abziehen. Das funktioniert, verlangt aber einen ausgedruckten Schnitt und einen freien Fußboden. Der klassische Ladenrat für alle, die sich das sparen wollen (Sew4Home: „im Zweifel ein halbes Yard mehr“), kauft dir Sicherheit für rund einen halben Meter Aufpreis pro Projekt. Über die Jahre wird daraus ein Regal voller Reste.
Rechne es aus deinem eigenen Schnitt: Zieh deine Schnittteile (SVG oder DXF) in PatternNest, stell deine Stoffbreite ein und lies die benötigte Länge in Metern ab. Ein Rock hat wenige Teile; bis 10 Teile ist alles gratis: Nesting, Stoffbedarf und der druckbare Zuschneideplan. Ehrlich dazu: PDF-Schnittmuster liest PatternNest nicht (nimm SVG/DXF aus Seamly2D, Valentina oder FreeSewing, oder zeichne in Inkscape nach), Nahtzugaben werden weder ergänzt noch entfernt, und „im Stoffbruch“ bildet v1 nicht ab; Bruchteile spiegelst du vorher zur vollen Form auf.
Mit deinem Schnitt ausprobieren, gratisLäuft offline im Browser. Dein Schnittmuster verlässt nie deinen Rechner.